Es ist kalt heute. Ich habe alle Staubflocken zusammengerufen und ihnen erklärt, dass sie ganz nah zusammenrücken müssen. Das ist gut für den sozialen Hintergrund und auch gut für mich. Ich lege mir die Flusen um den Körper und spare so Heizkosten. Es ist erstaunlich, wie warm einem dabei werden kann. Manchmal ziehe ich mir sogar unter den Flockflusen meine Socken aus. Es ist ganz kuschelig mit dem fluffigweichen Pelz. Und lustig ist es auch, weil viele Flocken wie Teenager herumalbern und kichern. Ich muss aufpassen, dass ich dann nicht zu laut lache, weil sonst mein Staubmantel auseinander stiebt. Das ist dann so ähnlich, wie damals beim Urknall. Da wurde ja die Welt erschaffen. Und auch der Staub. Ich habe also im Grunde manchmal den Urknall bei mir im Wohnzimmer.
Weil der Ferdi ja nicht mehr lebt und es hier so kalt ist, würde ich gern einem verhaltensgestörten oder zurückgebliebenen Pinguin ein neues, liebevolles Zuhause geben. Bei Hagenbecks habe ich schon nachgefragt, aber die wollten nicht. Auch im Zoo Dortmund habe ich schon angerufen, die haben da viele Pinguine. Die rutschen dort immer so eine kleine Rutsche runter. Aber die haben auch keinen Bedarf. Ich habe alles genau geplant. Die Garage im Garten ist gemütlich hergerichtet, hat eine Blumentapete, ein Babyplanschbecken und ein Fernsehtischchen. Die Scholle aus zusammengesetzen Eiswürfeln ist auch schon fertig und liegt im Gefrierfach vom LottoToto-Laden. Nur die Leute vom Zoo wollen nicht. Oder haben die Angst, dass ich einen Pinguinbraten draus machen würde. Dabei würde ich ja niemals einen Pinguin essen. Die putzigen Kerlchen mit ihren Stummelflügeln und Schnäbeln, die aussehen wie spitze Nasen! Ich wollte so gern einen Pinguin der nie eine Chance bekommen hat. Vielleicht mit schlechtem Elternhaus oder einer, der sexuell mißbraucht wurde. Da macht man sich wochenlang Gedanken. Repariert die Garage und tapeziert die Wände. Und was ist der Dank? Ein harsches „Nein!“ wird mir an den Kopf geworfen. Dabei habe ich mich schon so auf den Pinguin gefreut. In den Zoo geh ich jedenfalls nicht mehr. Und wenn, dann nur, wenn ich vorher Stecknadeln in das Maisfutter gemischt habe. So, jetzt hab ich genug!
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