14.08.07

Aus meinem Leben Teil 5


















Wenn einem so ganze Horden von nordic-walkenden Rentnern entgegenkommen, kann man schon mal Angst kriegen. Ich jedenfalls. Heute morgen geh ich mit dem „Prinz Adolf“ – das ist mein Hund – im Morgennebel spazieren. Ich geniesse die frische Luft und seh den Amseln zu wie sie ihre Lieder tirilieren. Zaghaft stecken die ersten Knospen ihre Köpflein heraus und eine Mäusemama huscht über den Weg. Mein Herz geht mir auf und ich sauge den Frieden auf Erden ein. Plötzlich ein Donnergrollen aus der Ferne, erst wie eine stampfende Lokomotive, dann näherkommend wie eine Horde Büffel. Als ich um das Eck meines idyllisch beblümten Wanderweges blicke, seh ich sie. Die Herde wildgewordener Rentner! Allesamt über 70 und allesamt bewaffnet mit diesem gräßlichen Gestöck! Klick-Klack-Klick-Klack zerfurchen sie den behördlich geebneten Weg. Ich kann mich in letzter Sekunde an den Stacheldrahtzaun werfen und den Prinz Adolf davon abhalten mit den lustigen Stöckchen zu spielen. So donnern sie vorüber, eine unendlich lange Minute. Mindestens. Danach der Weg ein Schlachtfeld. Tausend kleine Einstiche wie ein Streuselkuchen. Ich blutig zerfetzt vom Hechtsprung in den Drahtzaun. Der Hund geifernd und schäumend vor Glück und Wut über so viel potenzielles Frischfleisch. Erst nach Minuten konnte ich wieder denken. Böses konnte ich denken. Nur Böses... Ich mache mich nun gleich ans Werk und werde kleine Drahtstolperfallen erschaffen. Gut wäre es, wenn sie unter Strom stünden und so den tödlichen Schlag direkt über die Gehhilfen ins vertrocknete Hirn der hyperaktiven Greise tattern würden. Morgen werde ich die ersten Erfolge sehen.

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