
Ein Mörderbazillus hat mich dahin gerafft. Wie eine Raffgardine. So was hängt sich ja heutzutage keiner mehr ins Fenster. Nur alte Omas. Trotzdem hat der Bazillus gesagt: „Du, Körper vom Fred. Brich mal eben kurz zusammen und lieg reglos und schwitzend herum. Das muss jetzt sein. Keine Widerworte!“ Mein Körper war so perplex, dass er sich nicht getraut hat aufzumucken. Er hätte ja nur mal fragen können, wieso und weshalb. Aber seit wann kann man sich seinen Körper selbst aussuchen. Die Fredhülle hat sich also hingelegt und wollte nicht wieder aufstehen. Der Fredgeist hat gemeutert und das Fredgewissen hat aufgeschrien. Aber wenn die olle Hülle nicht will, kann man nichts machen. Das ist so ähnlich wie früher, als die Piraten eine Eisenkugel ans Bein gekriegt haben. Da konnten sie sich auch nicht mehr bewegen und mussten von verschimmeltem Brot und brackigem Wasser leben. Manchmal bekamen sie noch nicht mal das. Dann haben sie ihre Ausscheidungen gelöffelt, als wäre es „Dany plus Sahne“. Wenn sonntags mal eine schwindsüchtige Ratte vorbei torkelte, dann war das so wie jetzt an Weihnachten die Weihnachtsgans. Obwohl die ja nicht torkelt, sondern eher die Verwandtschaft. Ich würde gern mal wissen, wie man damals Ratte zubereitet hat. Ob die gleich am Stiel gegessen wurde, lebendig mit Haut und Haar? Oder erst ausgeweidet, getrocknet, mit Achselschweiß gesalzen. Ein echter Gourmetgefangener hat doch da bestimmt ein bisschen gezaubert - wie wir Chefköche gerne zu sagen pflegen.
Weil der Fredkörper ja gestreikt und das Bett ganz durchgeschwitzt hat, musste der Fredgeist sich was ausdenken. Also hat er einfach alles ohne den Körper gemacht. Ist einkaufen gegangen, hat einen Nähkurs an der Volkshochschule besucht und hat mit den Wollmäusen für den Marathon geübt. Es ist gar nicht aufgefallen, dass der Körper nicht dabei war. Die Mäuse müssen ja fit gemacht werden. Eigentlich wollten sie ja gerne Stabhochspringen erlernen. Bis ich den Hintergrund erfahren habe. Aber ich bin ja nicht dumm. Die wollten schlichtweg ausrücken. Sich auf und davon machen aus dem Käfig und mich verarschen. „Nicht mit mir“ habe ich ihnen gesagt und einen Monat die Einstreu nicht gewechselt, damit sie mal sehen, was sie an mir haben. Ich bin doch fast eine Dienstmagd für sie. Mache alles. Kaufe ein, reinige den Käfig und füttere sie jeden Tag mit kleinen Leckereien. Anfangs haben sie noch herumgeblödelt und mir die Zunge rausgestreckt, wenn ich vorbei ging. Ab Tag 15 wurden sie ruhiger. Ab Tag 21 versuchten sie aus Heuresten kleine Nasenschützer zu häkeln und die Luft durch das Verteilen von Gurkenscheiben zu verbessern. Und ab Tag 28 hatten sie rot unterlaufene Augen wegen des Ammoniaks, weinten bitterlich und flehten mich mit dünnen Stimmchen an, die Streu zu tauschen. Ich ließ mir schriftlich zusichern, dass sie keinen Stabhochsprungversuch mehr unternehmen und jeden Verräter ausliefern würden. Seitdem trainieren wir eisern für den Mäusemarathon. Geht doch. Man muss nur ein Händchen für Tiere haben. Die merken ganz schnell, ob man ein guter Mensch ist. Das haben die im Instinkt.
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