14.08.07

Fredianisch für Anfänger oder Aus meinem Leben Teil 1

Heute gibt’s gequirlte Scheisse, die mach ich am liebsten. Es gibt nichts Feineres. Man kann hervorragend damit kochen. Wenn Gäste unangemeldet erscheinen, dann kann ich als perfektes Hausweibchen meinen Scheissepudding hervorzaubern. Sieh an! Oh, ein gar leckerer Happen für zwischendurch. Und alle sind zufrieden. Es ist schön, wenn alle zufrieden sind.

Im grauen Morgendunst steh ich auf und beziehe mein Bett neu. Wie jeden Tag. Ein perfektes Weibchen bezieht jeden Tag das Bett neu. Das habe ich einmal in einem Groschenroman gelesen. Seitdem halte ich mich daran. Manchmal schüttel ich auch die Kissen aus dem Fenster und fühle mich wie Frau Holle. Es muss toll sein, wenn man Frau Holle ist. Da kann man wunderbare Flocken zaubern. Ich kann das aber auch. Mit Staubflocken. Die züchte ich in dunklen Ecken heran und manchmal fangen sie sogar an zu leben. Wenn mir langweilig ist, spiele ich mit den Staubflocken manchmal Skat oder wir lesen uns gegenseitig etwas vor. Das ist immer sehr lustig.

Mir ist nie langweilig. Wenn die Flocken mal ihre Trotzphase durchleben und auch keine Gäste da sind, dann gehe ich mit meinen Saugnapfzehen die Wände hoch. Besonders gut funktioniert das, wenn ich sie vorher etwas mit Spüli befeuchte. Dann haften sie besser. Ich sauge mich dann also vorsichtig an der Raufasertapete nach oben, bis ich kopfunter dann da so hänge. Ich hänge gern da. Manchmal einen ganzen Tag. Ich war wahrscheinlich in meinem letzten Leben eine IKEA-Lampe. Wohl eine der billigeren Sorte. Aber es geht schliesslich nicht um den äusseren Wert, sondern um das Licht, das die Lampe macht und die Wärme, die sie ausstrahlt. Manchmal bin ich ganz erstaunt, wie philosophisch ich sein kann.

Mit den Staubflocken kann man auch diskutieren. Aber sie hören nicht so gern zu, husten immer dazwischen oder flusen auseinander. Ich werde dann meist ein bisschen wütend, es nervt mitunter doch sehr. Dann hole ich manchmal den Staubsauger. Selber Schuld, denke ich mir da. Aber reden muss man ja auch mal mit anderen Wesen. Ich habe daher eine kleine Silberfischchenzucht. Ach, die sind ganz herzallerliebst! Wie sie da so vor sich hin wuseln und durcheinander kollern! Wie kleine Autos oder Murmeln. Ich könnte stundenlang diesen lustigen Gesellen zu sehen. Wenn es zu viele werden, gibt es mal einen Linsen-Silberfisch-Eintopf zu Mittag. Mit Speck und Gemüsebrühe. Ich mag nämlich kein Fleisch.

Am Abend muss ich früh in mein Bett. Sonst vergesse ich nämlich, dass ich schlafen soll. Ich habe es schon oft vergessen, zB wenn ich besonnen meine Zahnpasta betrachtete. Dann bin ich am nächsten Morgen aufgewacht und stand immer noch vor der Zahnpasta – mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Aber spätestens, wenn mein Hund vor Hunger an meinem Bein nagt, wache ich dann auf. Er ist leider nicht so zutraulich und mag gerne frisches Fleisch. Er wurde in einer Mülltonne zwischen Schlachtabfällen gefunden. Daher kommt das wohl. Meine Beine sehen nicht mehr so schön aus, mit den ganzen Bisswunden. Er nimmt aber meist nur ein, zwei Maul voll. Ich habe mir extra eine kleine Kettensäge aus dem Baumarkt gekauft. Wenn ein Nachbar sowieso nicht so oft auf die Strasse geht, dann fällt das ja gar nicht auf... Abgepackt in diese kleinen handlichen Gefrierbeutel reicht es 2 Wochen. Leider stehen die angrenzenden Wohnungen schon länger leer. Wenn jemand Interesse hat, könnte ich mich breitschlagen lassen und einen Kontakt zur Hausverwaltung herstellen. Ich bin ja ein netter Mensch.

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